[Rezension] Kelly Barnhill – When women were dragons

Hätte besser sein können.

Werbung | Autor: Kelly Barnhill | Titel: Was die Nacht verschweigt |
Übersetzung: Isabelle Gore |
Erscheinungsdatum: November 2024 | Verlag: CrossCult |
448 Seiten | Genre: Magischer Realismus / Feminismus | 

Bewertung: 3 von 5.

Ich war vier Jahre alt, als ich das erste Mal einer Drachin begegnete. Ich habe meiner Mutter nie davon erzählt. Ich war mir sicher, sie würde es nicht verstehen.

(S.12)

Inhalt

Im Jahr 1955 kam es in Amerika zu einem spontanen Massenwandeln. Zu hunderttausenden erhoben sich unterdrückte Frauen im ganzen Land und wurden zu feurigen Drachenwesen. Manche verspeisten ihre Ehemänner, manchen flogen einfach nur in den Himmel und wurden nie mehr wieder gesehen. Doch wie soll die Welt nun damit umgehen?

Rezension

Ein feurig-feministisches Werk wollte diese Geschichte gerne sein. Unterdrückte (weiße) Frauen aus der Mittelschicht Amerikas, die sich von ihren Unterdrückern endlich befreien, ihre alte Haut und ihr altes kleines Dasein abstreifen, sich zuweilen rächen und dann auf und davon fliegen in ein neues Leben. Und als Metapher funktioniert das auch ganz gut. Und wäre diese Geschichte kürzer, kein Roman sondern eine Novelle, eine Kurzgeschichte vielleicht nur – ich hätte es definitiv geliebt. Aber leider war es nicht so.

Wir begleiten die zunächst noch sehr junge Alexandra – Alex – Green, mitsamt ihrem abwesenden Vater, ihrer Knotenwebenden Mutter und ihrer eher burschikosen Tante durch den Alltag. Bis das spontane Drachenwandeln beginnt und auch Alex‘ Tante mit sich reißt. Das Ganze löst so dermaßen großes Entsetzen bei ihrer Mutter und auch der übrigen Gesellschaft aus, dass all das, was mit den neuen Drachinnen passiert ist, schnellstmöglich unter den Teppich gekehrt wird. So wächst Alex plötzlich mit dem Paradoxon auf, dass sie eine Tante hat, die sich drachenwandelte – und aber zugleich niemals existierte.

Und so interessant, wie das alles erst einmal scheint, es passiert einfach nicht sonderlich viel. Alex ist fleißig in der Schule, Alex ist queer, Alex verliebt sich in ihre Freundin, die ihr entrissen wird. Ein Beispiel von vielen, die uns dieses Buch immer und immer wieder um die Ohren haut, wie sehr Frauen unterdrückt wurden. Natürlich fühlt sich das nicht gut an, wenn man so etwas liest, aber das Buch bestand auch nur aus Schwarz und Weiß. Es gab nur schlechte Ehemänner, schlechte Väter, schlechte Vorgesetzte, schlechte Kollegen. Jeder Mann hat jede Frau unterdrückt und offenbar hat auch jede Frau das mit sich machen lassen, bis manche zu Drachinnen wurden. Es war einfach zu viel erhobener Zeigefinger, um wirklich mitzureißen. Auch der eigene Zwiespalt von Alex, der aufgrund ihrer Kindheit zwar verständlich war, aber auch zu häufigen Wiederholungen führte, hat dem Buch nicht unbedingt mehr Pepp verliehen. Leider.

Fazit

Die Metapher der Frauen, die ausbrechen und sich erheben, ist wunderbar gewählt. Die Umsetzung hätte allerdings deutlich kürzer ausfallen können, denn der Plot an sich ist zu dünn für die Fülle an Seiten. Ganz verkehrt ist das Buch aber auch nicht – schaut einfach mal rein, vielleicht ist es ja für euch etwas ganz wunderbares!

Bewertung im Detail

Handlung ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Atmosphäre ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

3.2 ★★★

schnörkel

Herzlichen Dank an den Cross Cult Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

6 Antworten zu „[Rezension] Kelly Barnhill – When women were dragons”.

  1. Avatar von RoXXie SiXX

    Hey Gabriela,

    ich bin bei Goodreads auf das Buch vor einer Weile aufmerksam geworden. Wollte aber erst einmal ein paar Rezensionen abwarten. Die meisten, die ich bisher gelesen habe, decken sich mit deinen Aussagen hier.

    Deshalb habe ich mich auch gegen das Buch entschieden. Wenn der Plot zu sehr leer ausgeht, dann kommt für mich schnell Langeweile auf. Da helfen dann auch gut ausgearbeitete Charaktere oft nicht darüber hinweg. Wenn mich ein Plot nicht packt, endet es meist in einem DNF.

    Danke für deine Besprechung.

    Cheerio
    RoXXie

    PS: Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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    1. Avatar von Buchperlenblog

      Huhu Roxxie! 🙂
      Ich kann definitiv verstehen, warum du dich schlussendlich dagegen entschieden hast. Es hätte so viel besser sein können! Dann doch lieber Zeit in ein anderes Buch verwenden 🙂

      Alles Liebe im neuen Jahr!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

  2. Avatar von LeseWelle
    LeseWelle

    Hallo Gabriela,

    ich habe schon ein anderes Buch von Kelly Barnhill gelesen und fand es sehr gut. Aber das war mehr ein Märchen.
    Das Buch habe ich auch bereits schon gesehen und fand die Leseprobe ganz gut. Ich denke, ich werde mir das Buch trotzdem mal ansehen. Denn schlecht finde ich die Idee wirklich nicht.

    Danke für deine Rezension! 🙂

    Liebe Grüße
    Diana

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von Buchperlenblog

      Huhu Diana!
      Es ist ja auch kein ganz verkehrtes Buch, man sollte sich eben nur darauf einstellen, dass es kein besonders flottes Tempo vorlegt und vor allem nicht alles erklärt. Wenn du das kannst, dann hast du bestimmt auch Freude dran. 🙂

      Alles Liebe!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

      1. Avatar von LeseWelle
        LeseWelle

        Eigentlich bin ich kein großer Fan von Büchern, die nicht alles aufklären. Aber ich denke, ich gebe diesem trotzdem mal eine Chance.

        Gefällt 1 Person

  3. Avatar von
    Anonymous

    Kollektivistischer Mist.

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Mein Name ist Gabriela, und seit 2017 findet ihr hier Buchtipps aus diversen Genres. Egal ob Fantasy, Horror oder Geschichten aus dem wahren Leben, übersetzt oder englisch –
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