Liebe Bücherfreunde!
Vielleicht hat es der ein oder andere von euch schon mitbekommen, aber es kommt eine neue Buchverfilmung ins Kino: Carsten Henns Buchspazierer wird ab dem 10. Oktober 2024 über die große Kinoleinwand spazieren! Da wurde es doch Zeit, dass ich auch endlich das Buch lese. Und für euch auch schon einen Blick auf die Filmkulisse werfe. Bereit dafür? Dann los! ♥
Der Buchspazierer – Das Buch

Werbung | Autor: Carsten Henn | Titel: Der Buchspazierer |
Übersetzung: / |
Erscheinungsdatum: 2020 | Verlag: Piper |
240 Seiten | Genre: Roman |

Es heißt, Bücher finden ihre Leser –
aber manchmal brauchen sie jemanden, der ihnen den Weg weist.
(S.7)

Carl Kollhoff hat sein Leben und sein Herz den Büchern gewidmet. Auch noch mit siebzig Jahren spaziert er allabendlich durch Münster, um seinen Kunden ihre bestellten Bücher nach Hause zu bringen. Kunden, die aus verschiedenen Gründen nicht selbst bei der Buchhandlung vorbeischauen können, die sein bester Freund leitete und nun von dessen Tochter übernommen wurde.
Carl spaziert immer allein. Er genießt die Ruhe, die kurzen Gespräche mit seinen Kunden – denen er heimlich Namen aus berühmten Werken gibt – und die Freude, die sich einstellt, wenn sie ihre Bücher entgegen nehmen. Doch eines Tages ändert sich diese Routine: Als Carl sich aufmacht, um seine tägliche Runde zu drehen, erscheint plötzlich ein kleines Mädchen neben ihm. Schascha, die es sich in den Kopf gesetzt hat, ihn nun zu begleiten – ob er will oder nicht.
Doch das ist nur die erste Änderung, auf die sich Carl mit der Zeit einlassen muss. Denn so wie auch die Menschen, die er besucht, so ist auch sein Leben geprägt von eingeschlichenen Routinen und der Angst vor etwas Neuem. Was sie alle miteinander verbindet, ist die Liebe zum geschriebenen Wort, und ich glaube, indem wir Leser selbst diese Liebe nachempfinden können, sehen wir die eigentliche Stärke dieses Romans. Diese Verbindung, die von Worten und Büchern wie Magie zwischen Menschen aufsteigen kann, ist unbeschreiblich.
Ansonsten ist dieses Buch – mal ganz rational betrachtet – ziemlich oberflächlich gehalten. Die einzelnen Charaktere sind Abziehbilder von gängigen Klischees, damit sie zu entsprechenden literarischen Figuren passen. Der zunächst in sich gekehrte Besitzer eines größeren Anwesens wird von Carl als Mr. Darcy bezeichnet, eine ältere Grundschullehrerin trägt gern nicht-zusammenpassende Socken, was sie zu Frau Langstrumpf macht. Doch auch ernste Töne klingen an, wenn die junge Frau – die bei Carl auf den Namen Effi Briest hört – die Tür öffnet, und dabei nur halb die Verletzungen verbergen kann, die ihr Mann ihr zugefügt hat. Aber dabei bleibt es im Grunde. Was die einzelnen Personen denken, wie sie fühlen, das bekommen wir nur dann mit, wenn sie handeln. Es gibt kein Eintauchen in ihre Gedankenwelt, kein wirkliches Show – immer nur Tell. Carsten Henn trifft dabei einen sehr schönen, manchmal schon poetischen Stil, dem man gern zuhört, der uns aber eben immer nur als Beobachter zurücklässt.
Dadurch liest sich Der Buchspazierer eher wie ein teilweise sehr überspitzt gezeichnetes Märchen, das mehr Wert auf die grundlegende Botschaft legt, anstatt auf eine in allen Aspekten runde Geschichte. Ob eine Verfilmung das vielleicht besser machen kann?
Der Buchspazierer – Der Film

Am 10. Oktober 2024 ist es nun also soweit: Christoph Maria Herbst spaziert als Carl Kollhoff gemeinsam mit Yuna Bennett alias Schascha über die Straßen Münsters, um den Menschen die Bücher zu bringen, die sie bestellt haben – und auch die, die sie ganz einfach brauchen.
Nun saß ich am Sonntagnachmittag in der Preview zu diesem Film und kann euch sagen: Der macht richtig viel Spaß! Die beiden Hauptdarsteller hauchen ihren Figuren genau das Leben ein, das ihnen im Buch irgendwie abhanden kommt. Natürlich kommt keine Buchverfilmung 1 zu 1 daher, auch hier finden wir die ein oder andere Änderung vor, die besonders an einer Stelle gegen Ende hin dem Film einen gänzlich anderen Drive gibt. Tatsächlich so sehr, dass alle um mich herum schluchzend zum Taschentuch griffen, während mein Hirn nur dazu fähig war, laut zu rebellieren: DAS WAR ABER IM BUCH GANZ ANDERS!
Bei näherer Betrachtung des Ganzen fiel mir dann aber auf: Der Film arbeitet vielschichtiger als das Buch. Das Buch ist ein Märchen, ein modernes, hübsch erzähltes Märchen, das sich aber an vielen Stellen eben einer besonders typischen Erzählart hingibt: Es gibt nur Schwarz und Weiß. Gut und Böse. In den Film schleichen sich die fehlenden Grautöne ein, da wird auch noch um die nächste Ecke gedacht. Erstaunlich eigentlich, dass ich zur Abwechslung mal die Filmfahne schwenke an dieser Stelle. 😀
Ob ihr das Buch nun aber kennt oder nicht, ich kann euch beides definitiv ans Herz legen. Das Buch als schöne Metapher auf das Lesen und die Verbindung der Menschen, die Bücher lieben. Und den Film, um einen herrlichen Nachmittag zu verbringen, um ein wenig zu lachen und ein wenig zu weinen (wenn euer Hirn nicht genauso arbeitet wie ich).

Vielen Dank an die Agentur Jetzt & Morgen
für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars und die Kinoeinladung! ♥

![[Buch vs Film] Carsten Henn – Der Buchspazierer](https://buchperlenblog.com/wp-content/uploads/2024/10/carsten_henn_der_buchspazierer.jpg?w=1000)





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