Erneut eine tolle Neuerzählung griechischer Mythen.

Werbung | Autor: Jennifer Saint | Titel: Elektra, die hell Leuchtende |
Übersetzung: Simone Jakob |
Erscheinungsdatum: 2022 | Verlag: Ullstein |
368 Seiten | Genre: Neuerzählung griechischer Mythen

Bewertung: 4.5 von 5.

Troja ist gefallen.
Mein Vater kommt nach Hause.

(S.9)

Inhalt

Elektra ist die jüngste Tochter des Königs Agamemnon, der vor zehn Jahren mit seinem Bruder Menelaos in den Krieg zog, um die schöne Helena zurück nach Sparta zu bringen. Doch während sie sich auf seine Heimkehr freut, schmieden andere um sie herum gänzlich andere Pläne.

Rezension

Dieser Roman von Jennifer Saint trägt zwar den Namen Elektras als Titel, doch vielmehr handelt es sich um drei Frauen, die ihre Geschichte erzählen dürfen. Da hätten wir Klytämnestra, Schwester von Helena, Frau von Agamemnon, Mutter von Elektra. Sie erzählt von den Anfangstagen ihrer Ehe mit Agamemnon, vom Beginn des trojanischen Krieges und wie ihr Mann ihr die Lebensfreude in nur einem einzigen Augenblick nahm. Und damit sein eigenes Schicksal besiegelt.

Auch Kassandra kommt zu Wort, trojanische Prinzessin und mit der Gabe der Vorhersehung gezeichnet, auch wenn ihr niemand Glauben schenken wird. Auch sie ist eine in sich sehr tragische Figur, die mir in der gesamten Geschichte tatsächlich am besten gefallen hat, vielleicht, weil sie selbst nach der schlimmsten Behandlung nicht nach Rache schreit.

Und dann haben wir noch Elektra, eine Titelheldin, die über weite Strecken des Buches zunächst nicht allzu viel zu sagen hat, dann aber doch das Feld von hinten aufrollt. Von ihrer Mutter die meiste Zeit ihres Lebens nicht wahrgenommen, hängt sie sich mit jeder Faser ihrer Gedanken an ihren Vater, und sieht dabei nicht, zu welchen Grausamkeiten Agamemnon tatsächlich fähig war. Daraus erwächst sich eine sehr ungesunde Beziehung zwischen Mutter und Tochter, die beide aus verschiedenen Gründen in einem ewigen Strudel aus Rachsucht und Vergeltungswünschen gefangen hält, und sie doch lange nicht die Parallelen zwischen sich sehen lässt.

Fazit

Dreh- und Angelpunkt ist der trojanische Krieg, der mit Helena und Paris seinen Anfang fand. Hinter den großen Kämpfern der Sage erstrecken sich jedoch noch weitere Schicksale; Frauen, die wieder einmal Spielball der Männer und Götter werden, und doch ihren eigenen Lebensweg gehen wollen und denen Jennifer Saint eine Stimme gibt.

Bewertung im Detail

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Atmosphäre ★★★★★ ( 5 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

4.6 ★★★★★

Mehr Neuerzählungen
griechischer Sagen

Madeline Miller – Ich bin Circe
Madeline Miller – Das Lied des Achill
Jennifer Saint – Ich, Ariadne

4 Antworten zu „[Rezension] Jennifer Saint – Elektra, die hell Leuchtende”.

  1. Avatar von soerenheim

    Es ist ja aus finanziellen Gründen schon nachvollziehbar, dass aus allem, was irgendwie mal erfolgreich ist, gleich so eine Art Untergenre gemacht wird. Aber dass sich dann gleich auch noch die Cover so gleichen müssen… Das zweite Buch von Frau Saint setzt sich immerhin ein bisschen von Miller ab. Das Erste war schon sehr ähnlich. Und eine deutsche Autorin arbeitet jetzt auch noch an so einem Buch, und das Cover sieht auch wieder ähnlich aus.

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von the lost art of keeping secrets

      Die ähnlichen Cover sind mir auch schon aufgefallen! Ich finde es auch spannend, dass die Antike wieder entdeckt und neu erzählt wird. Gelesen habe ich bisher aber noch keinen der erwähnten Romane, Elektra klingt aber sehr gut. Danke für den Tipp!

      Gefällt 1 Person

      1. Avatar von soerenheim

        Der erste von Miller war ziemlich gut, der zweite etwas schwächer, aber konnte man auch noch gut lesen. Die anderen kenne ich bisher auch noch nicht

        Gefällt 2 Personen

      2. Avatar von Buchperlenblog

        Also ich finde es eigentlich ganz stimmig, dass die Cover dieser Neuerzählungen sich vom Stil her ähneln. Sie gehören ja irgendwie zu einer großen Familie. =)
        Dass gerade die griechische Mythologie neu entdeckt und neu erzählt wird, mag ich. Zumal man hier nicht diese verkitschten Geschichten hat, die einfach griechische Götter einbauen und dann nach Schema F loslegen, sondern alte Mythen von einer anderen Seite betrachten, ohne den originalen Kontext zu vernichten.

        Like

Du möchtest was sagen? Dann los!

Willkommen beim Buchperlenblog!

Mein Name ist Gabriela, und seit 2017 findet ihr hier Buchtipps aus diversen Genres. Egal ob Fantasy, Horror oder Geschichten aus dem wahren Leben, übersetzt oder englisch –
das gewisse Etwas muss sein.
Übrigens: Ich liebe auch Comics! ♥

Aktuelle Lektüre
Let’s connect

Fairy tales are more than true: not because they tell us that dragons exist, but because they tell us that dragons can be beaten. – Neil Gaiman

Allgemein Buchgedanken und Vorstellungen Bücher-ABC Comicperlen auf dem Canapé Comics / Graphic Novels Er[Quick]liches aus der Literatur Fantasy Gewinnspiel Historische Romane horror Kinder- / Jugendbücher Klassiker Krimi & Thriller Leseprojekt: Stephen King Mittendrin Mittwoch Monatsrückblick Montagsfrage Perlentauchen Rezensionen Romane Sachbuch The Story Behind Writing Friday