[Rezension] Octavia Butler – Wilde Saat

Und die Moral von der Geschicht‘ … ?

Werbung | Autorin: Octavia Butler | Titel: Wilde Saat |
Übersetzung: Will Platten |
Erscheinungsdatum: Juli 2021 | Verlag: Heyne |
480 Seiten | Genre: Science Fiction / Fantasy |

Bewertung: 2.5 von 5.

Doro fand die Frau durch einen Zufall.
(S.5)

Inhalt

Doro ist ein Unsterblicher. Seit über tausend Jahren durchstreift er die Welt, immer auf der Suche nach geeignetem Zuchtpotential. Denn er will einen Menschen erschaffen, der genauso unsterblich ist, wie er. Als er in einem kleinen afrikanischen Dorf schließlich die dreihundert Jahre alte Anyanwu findet, scheint er des Rätsels Lösung endlich näher zu kommen. Doch Anyanwu ist wilde Saat, sie kennt die Freiheit des Lebens und unterwirft sich Doro nicht ohne weiteres.

Rezension

Zucht und Züchtigung

Gleich zu Beginn: Wenn ihr den Klappentext des Buches bereits irgendwo gelesen habt, vergesst ihn ganz schnell wieder. Denn er hat eigentlich nichts mit dem Inhalt dieses Werkes gemein. Auf der Rückseite des Buches wird von einem dreihundert Jahre andauernden Werben Doros um die Gunst von Anyanwu erzählt, welches es so gar nicht gibt. Und auch auf das menschheitsverändernde Schicksal muss man wohl oder übel verzichten, doch dazu später noch mehr.

Doro, der Unsterbliche, kann seinen Körper wechseln. Er ernährt sich von dessen Kraft, und wenn die Zeit gekommen ist, zieht seine Seele in einen neuen Körper ein, indem sie den Menschen darin tötet. Seine Untergebenen – seine Sklaven, denn mehr sind sie am Ende nicht – akzeptieren diesen Umstand, genauso wie sie es akzeptieren, von Doro für dessen Zuchtpläne benutzt zu werden. Anyanwu akzeptiert das nicht. Doro lockt sie aus ihrem Heimatdorf fort, indem er Drohungen gegenüber ihren Kindern ausspricht und sie sich so gefügig genug macht, um sie mit in die neue Welt, nach Amerika zu nehmen. Und während etwas mehr als 200 Jahre vergehen, werden wir immer wieder Zeuge derselben Demütigungen, Vergewaltigungen, Gewaltanwendungen innerhalb der Dörfer Doros. Anyanwu wird zunächst mit Doros Sohn Isaak verheiratet, nur um später vielleicht doch den Tod zu finden, wenn es Doro passen sollte. Warum? Er kann halt nicht anders.

Dazwischen geschieht nicht viel. Anyanwu, die neben eigenen heilerischen Fähigkeiten auch noch ihre Gestalt verändern kann, schenkt einem Kind nach dem anderen das Leben, doch keines scheint so zu werden, wie sie und vor allem Doro es sich erhoffen. Perfekt. Unsterblich. Zumindest habe ich irgendwann zwischen den Zeilen versucht herauszulesen, dass genau das ihr beiderseitiges Bestreben darstellt. Ein Kind, dass man selbst als Unsterblicher nicht überleben kann, wie all die anderen davor. Doch grundlegend fehlte mir das große Warum, ein Ziel für all die zum Teil unnötige Gewalt, die Züchtigung und das alles verschlingende Eingreifen in die menschliche Privatsphäre.

Auch charakterlich gab es keine wirkliche Entwicklung, Doro ist zu Beginn des Buches ein Untier und ist es am Ende noch genauso. Auch Anyanwu bleibt ihrer Meinung ewig treu, was durchaus nicht immer verkehrt ist, mir aber zum Schluss das Gefühl gab, mich 480 Seiten lang im Kreis gedreht zu haben. Weder wartet das Buch mit einem Aha-Effekt auf, noch mit einer Moral, noch mit philosophisch-schlauen Gedanken, die ich greifen konnte. Dazu kommt eine merkwürdig distanzierte Sprache, die zwar in sich rund ist, aber mich dazu verleitete, die meisten Gräueltaten ohne weiteres an mir abperlen zu lassen.

Recherchen zufolge habe ich nun gesehen, dass Wilde Saat der vierte Band eines Roman-Zyklus‘ ist, der jedoch nur im allerlosesten Sinne zusammenhängt. Auch hier winkt also keine befriedigende Antwort auf den Plan Doros.

Fazit

Irgendetwas an diesem Buch faszinierte mich durchaus, hielt mich bei der Stange und veranlasste, dass ich unbedingt begreifen wollte, für was all diese Mühsal und all diese Qualen innerhalb des Buches gut waren. Das Ende frustriert mich sehr, auch Tage später noch, so dass ich es niemandem so wirklich ans Herz legen möchte. Aber auch nicht gänzlich davon abrate, denn vielleicht kann jemand doch mehr zwischen den Zeilen erahnen, als ich es tat.

Bewertung im Detail

Idee ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Handlung ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Charaktere ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Sprache ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Emotionen ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

= 2.4 ★★

weitere Meinung

Sani Hachidori | Bücherbaronin

schnörkel

Herzlichen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

3 Comments on “[Rezension] Octavia Butler – Wilde Saat

    • Hallo Frank!
      Ich kann bei dem Buch auch ehrlich nicht sagen, ob es nun tatsächlich schlecht isr, oder ob ich einfach den tief verborgenen Sinn nicht verstehe. 😅 Es liest sich nicht verkehrt, aber am Ende fehlt mir dann doch einfach zu viel.

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt mir

  1. Pingback: Octavia Butler: Wilde Saat - Bücherbaronin

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