[Frühjahrsputz] Lily Oliver – Die Tage, die ich dir verspreche

Hätte eine echt gute Geschichte werden können. Hätte.

Werbung | Autor: Lily Oliver | Titel: Die Tage, die ich dir verspreche |
Erscheinungsdatum: 2016 | Verlag: Knaur |
370 Seiten | Genre: Liebesroman

Bewertung: 2 von 5.

„Ich habe nur überlegt, dass es nicht dumm ist, wenn sie das denkt, verstehst du? Dass ich hergekommen bin, weil wir uns im Internet kennengelernt haben und jetzt sehen wollen, ob sich daraus was ergibt. So kann sie nicht darüber nachdenken, ob es einen anderen Grund gibt, aus dem ich hier bin.“
Noch mehr Lügen. Oder nicht? Sie streicht sich ein paar Haare hinter das Ohr. Am liebsten würde ich das für sie machen.

(S.143)

Inhalt

Die 19jährige Gwen hat ein neues Herz transplantiert bekommen. Eigentlich ein Grund zur Freude, eine Chance auf einen Neuanfang im Leben nach einer langen Zeit der Ungewissheit. Doch Gwen fühlt sich von allen beobachtet, jeder sagt ihr, wie viel Glück sie hatte, wie dankbar sie sein sollte, dass sie ihr Leben nun doch noch leben kann. Aus Verzweiflung beschließt sie, einen neuen Empfänger für ihr Herz zu finden, und sich danach das Leben zu nehmen.

Rezension

Viel Sülz um Nichts

Liest man den Klappentext, hat man das Gefühl: Ja, das könnte eine richtig interessante Geschichte werden. Die innere Zerrissenheit Gwens, die sich von ihrem neuen Leben unter Druck gesetzt fühlt, in eine Depression fällt und eigentlich sterben möchte, das alles verspricht Potenzial zu großen mitreißenden Gefühlen.

Doch dann kam Noah.

Denn um einen Empfänger für ihr Herz zu finden, meldet sich Gwen in einem Herzforum an. Doch der Betreiber des Forums löscht sie prompt wieder, hält sie für einen Fake. Nur weiß das Gwen nicht. Naiv wie sie generell auch rüberkommt, spürt sie den Sarkasmus in seiner schnippischen Antwort auf ihre Herz-zu-Verschenken-Anfrage nicht – denn wer versteht auch „Dann komm doch her und gib mir dein Herz, meine Mutter kann es auch gleich transplantieren“ als Spott, der er nunmal war. Nun, Gwen jedenfalls nicht. Stattdessen packt sie eilig mitten in der Nacht einen Rucksack und macht sich auf den Weg nach München, wo Noah wohnt. Sie klingelt morgens um 5Uhr Sturm und fast möchte man meinen, sie hat das Taschenmesser bereits im Anschlag, um ihrem Leben ein Ende zu bereiten.

Aber zum Glück gibt es da Noah, selbstverständlich gutaussehend und genau in ihrem Alter, der ihr verschlafen entgegen blickt. Mmmmmh sexy. Da er erkennt, dass Gwen seine Nachricht für bare Münze nimmt und ihn ebenfalls herzkrank wähnt, kommt er so schnell aus dieser Situation nicht heraus und bietet ihr einen Schlafplatz an. Selbstverständlich nicht ohne vorher einen Blick zu viel zu riskieren und sich insgeheim zu freuen, welch hübsches Hühnchen ihm da in die Wohnung geflattert kam.

Nun dachte ich, nun kommt die Spannung. Er, der gar nicht herzkrank ist und sie aber davor bewahren will, sich das Leben zu nehmen, und sie, die beständig rot um die Nase wird, wenn Noah wieder ohne Tshirt an ihr vorbei schlurft, und sich aber doch umbringen möchte, um ihm das Herz zu geben. Was, davon mal abgesehen, so auch nicht funktioniert. Auch das wissen die Protagonisten, halten aber dennoch beide an diesem fadenscheinigen Irrglauben fest.

Gwen ist nun also bei Noah halbwegs eingezogen und verspricht ihm eine gewisse Anzahl an Tagen – nämlich genau 14 – bevor sie sich möglichst organschonend tötet. Die Momente, in denen Gwen von den Stimmen ihrer Familie eingeholt wird, da war sie mir mitunter nah, da konnte ich verstehen, was sie aushalten musste. Doch diese Momente sind rar gesäht, meistens driften ihre – und auch seine – Gedanken beharrlich in eine andere Richtung. Nämlich in die, wie gern man den jeweils anderen riechen möchte, spüren, schmecken, küssen, welche Körperregionen sich schmerzhaft nach einer Berührung sehnen, etc pp. Jede emotional tiefere Szene wird mit diesem Gesülz zu nichte gemacht, als hätte die Autorin geahnt, dass sie die Tiefe der Depression so doch nicht aufs Papier gebracht hätte. So entwickelt sich das Ganze eher zu einer depressiven Farce, die ich Gwen nicht mehr abkaufte. Auch das große Finale, welches ich bereits nach 30 Seiten vorausgeahnt habe, brachte lediglich ein müdes Augenverdrehen mit sich und ließ mich erleichtert aufatmen, dieses Buch dann doch noch irgendwie beendet zu haben.

Fazit

Die Herztransplantation erscheint eher willkürlich in den Kontext eingebaut, auch wenn man hier und da ein paar interessante Fakten dazu aufschnappen konnte. Den Großteil der Geschichte verbringen die beiden Protagonisten damit, sich innerlich hinterherzuhecheln, sich in unausgesprochene Missverständnisse zu verwickeln und dann doch den niederen Trieben nachzugeben. Noah fasst es an einer Stelle ganz gut zusammen, indem er sagt “ Gestern hat sie sich beinahe umgebracht, und ich kann trotzdem nur daran denken, wie ich sie in mein Bett kriege.“ Tja nun.

Bewertung im Detail

Idee ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Handlung ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Charaktere ★★☆☆☆ ( 2 / 5 )

Sprache ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Emotionen ★☆☆☆☆ ( 1 / 5 )

= 2.2 ★★


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3 Comments on “[Frühjahrsputz] Lily Oliver – Die Tage, die ich dir verspreche

  1. Huhu,
    na, das kllingt aber nicht so schön, wenn so ein Thema, wie eine Herztransplantation und dann noch bei einem jungen Menschen, als Aufhänger für einen Roman genutzt wird, ohne da in die Tiefe zu gehen!
    Danke für die Rezension. Ich finde es selbst immer so schwer, Bücher zu rezensieren, die mir nicht wirklich zugesagt haben.
    Schönen Sonntag, Dir.
    Barbara

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Barbara! 🙂
      Ja genau das dacht ich auch. Man hätte aus diesem Grundthema ein richtig tolles Buch machen können, anstatt dieser 0815 Teenie-Schmonzette… Na ja. Man kann nicht immer Glück haben mit der Buchauswahl ;D

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Rückblick auf den Februar – Buchperlenblog

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