[Fantasy-Lieblinge] Neil Gaiman und ein Ozean voll Magie

Liebe Büchermenschen!

Jeder von uns hat sie im Regal stehen: Diese ganz speziellen Bücher, die wir voller Liebe betrachten, die wir an unser Herz drücken und ihnen zuflüstern, dass wir sie und ihre Geschichten vermissen. Und wenn wir zu solchen Gefühlsausbrüchen nicht neigen, dann kennen wir sie trotzdem, die Lieblinge, die Bücher, die wir beim Lesen tief inhaliert haben und die uns wohl immer im Herzen begleiten werden.

Nun haben Nadine von NichtOhneBuch und ich uns gedacht, dass wir euch diese ganz speziellen Bücher in unseren Regalen einmal genauer vorstellen. Und wer weiß? Vielleicht werden sie dann auch zu euren Lieblingen. In den vergangenen zwei Tagen konntet ihr bei mir bereits die Waffenschwestern von Mark Lawrence entdecken, und Nadine stellte euch Deborah Harkness und ihre Bücher vor. Kommen wir heute zu meinem Lieblingsautoren schlechthin!

Neil Gaiman

Der Ozean am Ende der Straße

Wer meinem Blog schon länger folgt, dem ist ein Name sicher schon das ein oder andere Mal aufgefallen. Neil Gaiman. Fragt man mich nach meinem absoluten und ungeschlagenen Lieblingsautor, und sei es mitten in der Nacht, werde ich immer ihn nennen.

Ungeschlagener Liebling

Die Faszination begann vor einigen Jahren – reichlich untypisch für einen Bücherwurm – mit einem Film. Denn ich musste zuerst diverse Male Coraline schauen, um den Autor dahinter kennenzulernen. Die Augen wurden groß, als mir bewusst wurde: da gibt es ja ein Buch als Vorlage! Seitdem habe ich die Geschichte um das kleine blauhaarige Mädchen mit dem gelben Regenmantel schon unzählige Male gesehen, gelesen, gehört. Als Coraline in diesem Märchen für Kinder und Erwachsene gleichermaßen die Tür zu ihrer anderen Mutter öffnete, öffnete sie ebenfalls die Tür in meinem Herzen für ihren Schöpfer.

Neil Gaiman, geboren 1960 in Portchester, England, wollte schon in jungen Jahren Comicbuchautor werden. Er nahm den längeren Weg und studierte zuerst Journalismus. Denn hier darf man ungehindert Fragen stellen, wie er selbst sagt, und nichts ist für einen guten Autor essentieller, als zu wissen, über was man schreibt. Der Weg eines Autoren kann hart und steinig sein, das musste auch Gaiman früh erfahren. Mehrere Versuche, seine ersten Manuskripte an größere und kleinere Verlage zu verkaufen, scheiterten kläglich. Mit 28 kam dann endlich der erste wirkliche Durchbruch mit seiner Comicserie rund um den SANDMAN, die er zusammen mit seinem langjährigen Freund Dave McKean entwickelte.

Und plötzlich kam der Erfolg auch in anderen literarischen Bereichen. Neil Gaiman hat mittlerweile mehr als zwanzig Bücher veröffentlicht, und gewinnt regelmäßig renommierte Preise wie den HUGO Award für The Graveyard Book und American Gods. Dabei kann man ihn nicht so recht auf ein bestimmtes Genre festlegen. Er mischt kunterbunt Fantasy mit Science-Fiction, gruselige Momente mit kindlichem Charme.

Märchenhaft und doch brutal

Heute möchte ich euch einen Jugendroman besonders ans Herz legen, der 2013 erschien. Der Ozean am Ende der Straße ist (bislang) das einzige Buch von Neil Gaiman, dass es bereits in vierfacher Ausfertigung in mein Regal geschafft hat! War es bis vor einem halben Jahr nur in deutsch, englisch und signiert (huh!) vorhanden, so hat der Freund mir noch die illustrierte Ausgabe von Elise Hurst dazugeschenkt. (O-Ton dazu war allerdings: Ich hoffe, du hast die Geschichte noch nicht?) Egal, ich liebe Lettie Hempstock und den namenlosen Protagonisten der Geschichte so sehr, dass ich auch noch andere Ausgaben dazustellen würde, ohne es merkwürdig zu finden.

Die Geschichte beginnt mit einer Trauerfeier zu Ehren eines Verstorbenen. Nachdem die schweren Worte des Abschieds gesprochen sind, verlässt unser Protagonist das Haus und fährt mit dem Auto auf vermeindlich zufälligen Straßen Richtung Kindheit. Denn dort, wo er anhält, da kennt er sich aus, hat hier selbst gewohnt vor so vielen Jahren. Und während sein altes Elternhaus bereits abgerissen wurde, steht das Zuhause seiner damaligen Freundin noch. Lettie Hempstock, das Mädchen, das einen Ententeich für einen Ozean hielt. Das Mädchen, dass sich für ihn opferte und die er doch vergaß.

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Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs.
Und er war nicht besonders groß.
Lettie Hempstock behauptete, es sei ein Ozean, aber ich wusste, das war Quatsch.
Sie behauptete, sie wären von jenseits des Ozeans hierhergekommen, aus der Heimat.

(Der Ozean am Ende der Straße | S.7)

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Doch so schnell kehren die verschütt gegangenen Erinnerungen nicht zurück, erst allmählich wird unser Protagonist, der namenlos bleibt und damit jedermann sein könnte, von ihnen eingeholt. Und es eröffnet sich ihm eine märchenhafte Welt seiner Kindheit, in die er erneut eintritt. Er erinnert sich daran, wie der Untermieter seiner Eltern verstarb und daraufhin das Kindermädchen Ursula Monkton einzog. Er erinnert sich an unausprechliche Gräuel, die sie den Gedanken seines Vaters einpflanzte. Und er erinnert sich daran, wie die gesamte Welt in Schieflage geriet, weil er einen Riss in der hauchdünnen Hülle, die die Welten voneinander trennt, verursachte.

Mehr, mehr, mehr!

Neil Gaimans Geschichten sind oftmals magisch, märchenhaft, und voller Rätsel. Nie werden wir hier die klassischen Rollen finden, immer geht Gaiman seinen ganz eigenen Weg. Und manchmal führt dieser uns Leser in einen Ententeich, der einen ganzen Ozean in sich vereint.

Na, hab ich euch neugierig gemacht? Im Feburar 2019 gab es bei mir bereits einen ganzen Monat voller Geschichten rund um Neil Gaiman – schaut gern nochmal vorbei, wenn ihr noch nicht genug habt!

Gestatten: Der Lieblingsautor
Coraline: Das Buch oder der Film – oder einfach beides?
Eine mythische Reise
Kurz und bündig
Tribute to Neil Gaiman – My Valentine
Art matters!
Bring me a Dream


Unsere Fantasy-Lieblinge im Überblick:

20.07.2020 – Buchperlenblog: Mark Lawrence und der eisige Planet Abeth
21.07.2020 – NichtohneBuch: Deborah Harkness
22.07.2020 – Buchperlenblog: Neil Gaiman und ein Ozean voll Magie
23.07.2020 – NichtohneBuch: Nina McKay
24.07.2020 – Buchperlenblog: Nina Blazon im kalten Märchenreich

20 Comments on “[Fantasy-Lieblinge] Neil Gaiman und ein Ozean voll Magie

  1. Pingback: [Fantasy-Lieblinge] Mark Lawrence und der eisige Planet Abeth – Buchperlenblog

  2. Sehr interessanter Beitrag. Ich finde es schadet nicht jede Menge tolle Ausgaben von einem schönen Buch zu haben.
    Tatsächlich habe ich, obwohl ich so ein Fantasyfan bin, noch nie etwas von Gaiman gelesen. Allerdings liegt schon seit einer Weile der erste „Sandman“ Comic auf meinem SuB

    Gefällt 1 Person

    • Huhu Elisa!
      Das finde ich aber auch 😄
      Oha, na dann würde ich dir aber dringend zu Neil raten! Sie sind alle so unglaublich schön, phantastisch und mitunter ein wenig märchenhaft ❤️

      Der Sandman ist im übrigen auch immer wieder ganz ganz großes Comic-Kino, befrei den unbedingt von deinem SuB!

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

  3. Ich liebe das Buch auch und habe es schon zweimal verschlungen…ehrlich gesagt passiert mir das bei den meisten Gaiman-Büchern. Kürzlich habe ich nochmal American Gods durchgelesen und gerade bin ich mal wieder bei den Kurzgeschichten angelangt.

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: [Fantasy-Lieblinge] Neil Gaiman und ein Ozean voll Magie — Buchperlenblog | Mon site officiel / My official website

  5. Pingback: [Fantasy-Lieblinge] Nina Blazon im kalten Märchenreich – Buchperlenblog

  6. Wir sind uns einfach sehr oft einig, habe ich den Eindruck 😀 Ein Lieblingsautor und ein Lieblingsbuch auch für mich. Ich habe die deutsche Ausgabe gelesen und war damit sehr zufrieden. Deine englische sieht aber wirklich auch sehr schön aus 😀

    Hab‘ einen schönen Tag, liebe Grüße
    Sandra

    Gefällt 1 Person

  7. „The Ocean at the End of the Lane“… Ich erinnere mich, ich habe das zuerst als Hörbuch gehört und mich zeitweise doch sehr gegruselt. Da gab es durchaus Horror-Momente. Aber auch die Verknüpfung zwischen Traum- und Wachwelt, zwischen Fantasy und Alltag empfand ich als sehr eindrucksvoll. Wenn ich mich recht erinnere, hat Gaiman mal erwähnt, dass in dem (kindlichen) Erzähler viel von ihm selbst steckt.

    Die illustrierte Ausgabe kenne ich noch gar nicht, die lege ich mir auf jeden Fall zu =)

    Viele liebe Grüße,
    Nico

    Gefällt 1 Person

    • Huhu Nico!
      Oh als Hörbuch kam ich auch schon einmal in den Genuss – während ich eine Coraline an meine damalige Wohnzimmerwand pinselte und selbst Höhenängste ausstehen musste 😀 Sowas bleibt haften. Das Buch ist wirklich etwas gruselig, gerade wenn man an diesen ekelhaften Wurm denkt zB. Freut mich auf jeden Fall, dass ich dir mit der illustrierten Ausgabe noch etwas Neues zeigen konnte!

      Alles Liebe!
      Gabriela

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  8. Neil Gaiman geht einfach immer! ❤ Und ich finde, es wird langsam mal Zeit für einen Reread vom Ozean am Ende der Straße! Oder ich lese mich langsam weiter durch den Fundus von Neil Gaiman-Büchern, die ich noch nicht gelesen habe. Oder beides! 😀 ❤

    Gefällt 1 Person

  9. Pingback: Rückblick auf den Juli – Buchperlenblog

  10. Liebe Gabriela,

    ein besonderer Autor, auf den du aufmerksam machst. Gelesen habe ich von ihm noch nichts.
    Manchmal fällt es mir schwer mich in Welten und Formen einzufinden, die so ganz neu und auf den ersten Blick nicht gleich verständlich sind.
    Ich werde deine Worte aber nicht vergessen 🙂

    Liebe Grüße
    Tina

    Gefällt 1 Person

    • Huhu liebe Tina!
      Etwas ganz besonderes ist er in der Tat! Ich denke nicht, dass Gaimans Welten nicht verständlich wären, zumindest nicht mehr oder weniger als in jeder anderen phantastischen Geschichte =) Er verwebt ja am liebsten unsere reale Welt mit magischen Geschehnissen, so dass man sich eher beginnt zu fragen, wann sich eigentlich bei uns endlich das Loch öffnet, das uns die Magie zurückgibt ❤️

      Liebste Grüße!
      Gabriela

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