[Rezension] Hannah Häffner – Nordseenacht

Ein Krimi, der besonders durch seine Sprache auffällt!

Werbung | Autor: Hannah Häffner | Titel: Nordseenacht |
Erscheinungsdatum: 15. Juni 2020 | Verlag: Goldmann |
377 Seiten | Genre: Krimi |

Bewertung: 4 von 5.
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Friederike spürt das kühle, feuchte Gras unter ihren Füßen, wie es nachgibt, schmatzend und glitschig. Wie ihre Sohlen bei jedem Schritt, für den Bruchteil einer Sekunde, zu schwimmen scheinen, bevor sie Halt finden auf der kalten, festen Erde.

(S.5)

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Inhalt

1987 verschwindet ein sechsjähriges Mädchen aus dem Zeltlager in Hulthave an der Nordsee. Friederike Baumgart lautet ihr Name, doch viel mehr werden wir von ihr nicht erfahren. Sascha Götz ist die Betreuerin, unter deren Nachtwache das Mädchen verschwand. War sie unaufmerksam? Abgelenkt? Wurde Friederike erst am frühen Morgen oder schon in der dunklen Nacht entführt? Wurde sie überhaupt entführt?

Fragen über Fragen, doch der Fall Friederike scheint nach wie vor so undurchsichtig wie am ersten Tag. Fünfundzwanzig Jahre später taucht am Strand von Hulthave eine junge Frau auf, die sich an nichts erinnern kann, nicht einmal an ihren Namen. Ein Zufall?

Rezension

Schuld und Sühne

Zugegeben, der Fall Friederike hört sich zunächst eher unaufgeregt an. Ein Mädchen ist verschwunden, wie schon so viele vor ihr in Krimis verschwanden. Ohne Spur, ohne Erklärung, ohne Täter. Auch das Kind kann nicht gefunden werden, weder tot noch lebendig.

Doch was diesen Krimi so besonders in meinen Augen gemacht hat, war die Sprache. Denn Hannah Häffner greift hier zu einem Stil, der sehr erzählerisch wirkt. Weniger hat man das Gefühl unmittelbar dabei zu sein, als von Friederike, ja, erzählt zu bekommen. Aber auf sehr positive Art und Weise. Ich mochte es, wie mich der Stil einnehmen konnte, unwiderstehlich in den tosenden Wind und die grauen Nebelschwaden der Nordsee riss und doch als Beobachter außen vor ließ. Ich mochte es, wie mir Friederikes Schicksal nicht egal war, aber nicht unbedingt des Kindes wegen, das ich nicht kannte, sondern um der Personen willen, die an diesem Fall hingen.

Allen voran Sascha Götz, die Betreuerin des Ferienlagers, die sich die Schuld an dem Unglück gibt. Deren Leben aus den Fugen gerät, von der vorgezeichneten Bahn abkommt, weil sie die Gedanken nicht von Friederike lösen kann. Oder Ulrich Wedeland, der leitende Beamte in dem Fall. Auch er ist, als fünfundzwanzig Jahre später diese junge Frau ohne Namen an Land gespült wird, ein anderer Mensch. Gealtert, ja, aber noch immer in Gedanken mit Friederike beschäftigt. Was hat er damals übersehen, wo war er nicht mit dem nötigen Druck zu Gange? Was hätte anders gemacht werden sollen, welches Schweigen hätte durchbohrt werden müssen mit beharrlicheren Fragen?

Und wie hängen diese beiden Geschehen denn nun zusammen, die Nixe von Hulthave und das verschwundene Mädchen? Oder hängen sie gar nicht zusammen? Vielleicht tritt der neue Fall ja einige Steine frei, die schlussendlich eine Lawine auslösen werden, um dem ungeklärten Fall Friederike eine Wendung zu geben.

Fazit

Dieser Krimi ist eher behäbiger Natur, mehr eine immerwährende Frage, denn schnelle Action und Verbrecherjagd. Aber wer sich von der rauen Luft der Nordsee einfangen lassen möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt, denn auch wenn der Fall wenig spektakulär erscheint, so spielt er doch mit den vielen Fragen des Lebens, allen voran denen nach Schuld und Sühne.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

= 4.2 ★★★★

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Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar!

6 Comments on “[Rezension] Hannah Häffner – Nordseenacht

    • Hallo Ennie!
      Wie gesagt, dieses Buch ist eher ruhig, nicht mit einem Thriller zu vergleichen. Hier geht es mehr um das Seelenleben derjenigen, die zurückbleiben bei so einem Fall, als um die Verbrecherjagd per se. 🙂 Aber wenn du dich zu diesem Buch hingezogen fühlst, wünsche ich dir viel Lesefreude! 😊

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

  1. Pingback: Rückblick auf den Juli – Buchperlenblog

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