[A Month With Neil Gaiman] Coraline: Buch oder Film – Oder einfach beides?

Meine Lieben!

Willkommen zu einem kleinen Beitrag zu einem großen Mädchen. Groß im Herzen, wenn schon nicht körperlich. Ein Mädchen, dass mich seit 10 Jahren schon begleitet und immer wieder gern besucht wird in Worten und Bildern.

Coraline. Ein kleines Mädchen, das über sich hinaus wachsen muss, um ihre Eltern zu retten. Ein Mädchen, dass mehr Mut beweist als man ihr zuerst zutrauen möchte und das man einfach nur ins Herz schließen muss.

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Coraline Jones zieht mit ihren Eltern in ein neues Haus in einer neuen Stadt. Die Sommerferien sind lang, das Haus und seine Bewohner öde, die Eltern zu beschäftigt. Also begibt sich Coraline auf Entdeckungsreise und findet eine verschlossene Tür mitten in der guten Stube. Einmal geöffnet, verbirgt sich dahinter … exakt noch einmal ihr Haus. Nur, dass hier ihre „andere Mutter“ lebt. Und mit einem Mal ist Coralines Welt nicht mehr so, wie sie einmal war.

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„Ich glaube, sie möchte etwas zum Liebhaben“, sagte der Kater. „Etwas, das nicht sie selbst ist. Vielleicht will sie auch etwas zum Essen. Bei solchen Wesen lässt sich das nur schwer beurteilen.“

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Diese Geschichte lernte ich zuerst dank der liebevollen Umsetzung aus dem Hause Laika kennen. In mühevoller Kleinstarbeit entstand hier ein Stop-Motion-Film, der mit seinen Details locker mit jedem Animationsfilm mithalten kann. Die Charaktere des Hauses, allen voran Mister Bobo – Bobinsky -, die Theaterladys Miss Spink und Miss Forcible und natürlich die andere Mutter erhielten ein so außergewöhnliches Design, dass man immer wieder aufs neue kleine Details entdecken kann. Dreieinhalb Jahre brauchte das Team um Henry Selick, um die handgefertigten Puppen Millimeter für Millimeter vorwärts zu bewegen, die Mimik zu verändern und die Gesten Bild für Bild aufzunehmen. Dreieinhalb Jahre, die sich mehr als gelohnt haben. Der DVD ist ein Making Of beigefügt, das ich auch noch beim zehnten ansehen interessant finde. Gerade in Zeiten, in denen Animationsstudios einen Film nach dem anderen raushauen, kann sich diese besondere Mühe sehen lassen. Ich glaube wirklich, dass Coraline auch nur so funktioniert. Denn Coraline ist kein weichgespültes Püppchen mit großen Kulleraugen, Coraline ist niemand, der sich auf seine Niedlichkeit stützen müsste. Coraline ist tough, sie gibt Widerworte, sie misstraut allem. So auch Wyborne, dem Nachbarsjungen, den es im Buch gar nicht gibt.

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Coraline & Wyborne

Denn Coraline Jones bestreitet ihr Abenteuer im Geschriebenen allein. Sie denkt viel nach und unterhält sich mit der merkwürdigen Katze, die sowohl in der realen wie auch in der anderen Welt existieren kann. Doch einen Nachbarsjungen gibt es nicht. Wyborne wurde nur erfunden, damit Coraline nicht die meiste Zeit Selbstgespräche führen muss. Ein interessantes Detail, das selbst eingefleischten Fans jedoch nichts ausmachen dürfte, denn Wyborne bereichert das Geschehen ungemein.

Ansonsten hält sich der Film wirklich weitestgehend an die Vorlage, weicht selten ab und vermittelt somit einen ungewohnt intensiven Einblick in die Geschichte. Neil Gaiman hat mit Coraline ein Märchen für Erwachsene geschrieben, die noch einmal Kind sein wollen. Die mit den Augen eines starken Mädchens in eine andere Welt eintauchen wollen, die den wahren Sinn einer Familie noch einmal erfahren wollen.

Denn Coraline stellt schnell fest, dass es keine Welt gibt, in der alles nur eitel Glück und Sonnenschein ist. Die andere Mutter führt finsteres im Schilde und als sie nicht bekommt, was sie will, lässt sie Coralines Eltern verschwinden. Und es ist an dem jungen Mädchen, sie aus den Klauen der anderen Mutter zu retten.

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Und dann streifte ihre Hand etwas, was sich haargenauso anfühlte wie kleine, kalte Lippen und eine Wange, und eine Stimme flüsterte ihr ins Ohr: „Pst! Ganz still! Sag nichts. Es könnte sein, dass die alte Vettel uns belauscht.“

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Selbst wenn ich es müsste, ich könnte mich nicht für nur eine Variante dieser Geschichte entscheiden. Sie funktioniert auf beiden Wegen ganz wunderbar und jeder Teil hat seine ganz eigenen Details, die man entdecken sollte.

Wie ist es bei euch? Kennt ihr das Buch oder den Film – oder gar beides?

schnörkel


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30 Comments on “[A Month With Neil Gaiman] Coraline: Buch oder Film – Oder einfach beides?

  1. Ich hab gestern erst gelernt, dass Gaimann der Autor von Coraline ist, im Buch von Terry Pratchett hat er es geschrieben. Den Film kenne ich teilweise, denn ich schalte immer erst rein, wenn er schon angefangen hat :(, und das Buch kenne ich noch gar nicht. Aber der Film zieht einen in seinen Bann, vielleicht schaff ich ja mal den ganzen Film zu sehen
    Looking forward
    Daniela

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    • Hallo Daniela!
      Oh, na dann hoffe ich doch, dass du den Film irgendwann auch im kompletten sehen kannst! Der Anfang ist so schön, wenn Coraline in das Haus einzieht und alles begutachtet. 🙂

      Liebe Grüße!
      Gabriela

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  2. Hallo liebe Gabriela!

    ‚Coraline‘ kenne ich bisher nur als Buch – und das hat mir unglaublich gut gefallen!
    Und wenn ich lese, wie sehr du von dem Film schwärmst, möchte ich ihn mir auch glatt ansehen. Besonders deshalb, weil so viel Herzblut darin zu stecken scheint (ich meine, WOW, mehr als drei Jahre Arbeit steckt in diesem Film!), ganz abgesehen davon, dass der Film offenbar so nah an der Vorlage ist!
    Ich freue mich schon auf deinen nächsten Neil-Gaiman-Beitrag und bin gespannt, über welche Bücher und andere Aspekte du berichten wirst. ❤

    Liebste Grüße,
    Ida

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    • Liebste Ida!
      Ach ich sag dir, Coraline ist eine Geschichte, die geht immer ♥ Und ich MUSS von diesem Film schwärmen, weil er einfach so unglaublich toll gemacht ist, so liebevoll. Ich mag ja Stop-Motion-Filme sowieso fast mehr als „normale“ Animationsfilme, einfach weil man ihnen ansieht, dass sie handgemacht sind. Ich hoffe, du kannst ihn dir mal anschauen 🙂 (Falls vorhanden: Coraline ist aktuell auf Netflix streambar 🙂 )

      Der nächste Beitrag steht schon in den Startlöchern und es wird … mythisch! Hehe.

      Liebste Grüße!
      Gabriela

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  3. Liebes, welch eine schöne Vorstellung von Buch und Film. Ich kenne auch beides und mag beides auf ihre Art sehr gerne. Ich habe das Buch sogar noch auf einer anderen Sprache als Deutsch und finde es auch da wunderbar!
    Ich freue mich schon mehr zu dieser Beitragsreihe! ❤

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    • Liebste Elizzy ❤️
      In welcher Sprache hast du Coraline denn noch? Bei mir zählt Coraline zu den wenigen, die ich bisher ausschließlich auf deutsch habe. Das ändert sich sicherlich auch mal noch, zumal es da auch eine illustrierte Ausgabe gibt… 🤔

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  4. Hey Gabriela,
    ich kenne und mag beides aus unterschiedlichen Gründen. Das Buch ist ein wenig düsterer und vermittelt die Angst, die Coraline letztendlich überwinden muss. Der Film zeichnet interessantere Charaktere, auch wenn ich Wybie etwas überflüssig fand. Und er ist einfach super gemacht.
    Grüße, Katharina.

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    • Huhu Katharina!
      Schön, dass dir beides gefällt 🙂 aber, wirklich, du fandest Wybie etwas überflüssig? Schade, ich mag ihn ganz gern. Wenn auch eher in der stummen Variante 😮 😄

      Liebe Grüße!
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

      • Genervt hat mich Wybie auch nicht, aber irgendwie kam er mir fehl am Platz vor. Vllt auch weil ich das Buch vor dem Film gelesen habe.

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      • Na soweit ich weiß, wurde er ins Drehbuch geschrieben, damit Coraline jemanden hat, mit dem sie agieren und reden kann. Sonst müsste sie häufig mit sich selbst reden. Aber ja, manchmal stören einen solche Änderungen auch einfach. 🙂

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  5. Liebe Gabriela,
    den Film hatte ich schon immer mal auf meiner „noch-ansehen-Liste“, aber noch nie gesehen. Ebenso das Buch kenne ich nicht, aber du hast mich jetzt echt neugierig gemacht und ich werde gleich mal stöbern gehen!

    Liebe Grüße Anett

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  6. Hallo Gabriela,
    ich kenne auch beides. Habe damals zuerst den Film gesehen und erst dann entdeckt, dass es ein Buch dazu gibt. Und ich mag beide Geschichten auch sehr gerne.
    Allein schon, dass sie Coraline heißt und anders fand ich schon sehr stark. 🙂
    Ich könnte mich auch nicht entscheiden was besser ist, denn ich mag Buch und Film.
    Und jetzt habe ich nochmal Lust bekommen mich mit ihr zu beschäftigen. Danke. 🙂
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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    • Hallo Diana! 🙂
      Dann ging es dir ja wie mir ☺️ die Erkenntnis kam spät, aber sie kam. Find ich schön, dass ich sie dir wieder ins Gedächtnis rufen konnte! 🙂

      Alles liebe!
      Gabriela

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  8. Sali, Gabriela.
    Charme & Phantasie zeichnen den Film aus, der zudem spannender inszeniert ist als mancher Blockbuster. Vermutlich auch deshalb, weil einem die Figuren unmittelbar ins Herz wachsen. Der optische Reichtum nicht zu vergessen, wirkt doch jede Einstellung fast wie ein Gemälde.
    Die Filme ‚Kubo And The Two Strings‘ wie ‚The Boxtrolls‘ kommen aus dem gleichen Stall (Laika) & sind ausgesprochen empfehlenswert. Wobei Letzterer auch auf einem Buch basiert, „Here be Monsters!“ von Alan Snow.
    bonté

    Gefällt 1 Person

    • Hallo!
      Da kann ich dir nur zustimmen!
      Die Boxtrolls und Kubo kenne ich ebenfalls (ich schwenke seit langem ein Laika-Fähnchen) aber sie reichen nicht an Coraline ran, für mich. Weiß der Geier warum 😀

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  15. echt ein witziger Zufall, denn auch bei mir war „Coraline“ „schuld“, daß ich auf Neil Gaiman aufmerksam geworden bin.
    Das Buch hab ich inzwischen als Ebook (sowohl auf deutsch als auch auf englisch) aber noch ungelesen…

    Gefällt 1 Person

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